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Freitag, 4. April: Wegen der Veranstaltungen zur Nacht der Bibliotheken schließen die Lesesäle der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig bereits um 21:30 Uhr.

Nachrichten aus den Exilsammlungen

Ausschnitt der illustrierten Titelseite des London Diary von Lili Cassel. Ein zeichnendes Mädchen sitzt zwischen Wolken vermutlich auf einem Sperrballon zur Abwehr von Luftangriffen. Die Illustrationen sind mit Tusche und Wasserfarben gemalt.

Hans Günter Flieg (1923–2024) – In memoriam

Der Fotograf Hans Günter Flieg ist am 4. September 2024 im Alter von 101 Jahren in São Paulo/Brasilien verstorben.

Der Cousin des Schriftstellers Stefan Heym wurde in Chemnitz in eine jüdische Familie geboren. Kurz vor Kriegsbeginn emigrierte er aus dem nationalsozialistischen Deutschland mit seiner Familie nach São Paulo. Zuvor hatte er bei der Fotografin des Jüdischen Museums Berlin eine Ausbildung absolviert. Seine Eltern gründeten in Brasilien die Maschinenstickerei Bordados Flieg, in der auch sein jüngerer Bruder tätig war. Hans Günter Flieg aber schloss an seine Fotografieausbildung an. Er absolvierte eine Ausbildung zum Lithografen, war als Industrie- und Werbefotograf tätig und gründete ab 1945 ein eigenes Atelier.

Als freier Fotograf arbeitete er für viele Unternehmen, seine Fotografien wurden in Zeitungen und Kalendern veröffentlicht. 1951 war er der offizielle Fotograf der 1. Internationalen Biennale von São Paulo. In mehr als 35.000 Fotos hat er die Entwicklung São Paulos festgehalten. Seine Aufnahmen wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und ausgezeichnet.

Mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 kam Hans Günter Flieg anlässlich der Ausstellung „… mehr vorwärts als rückwärts schauen…“ Das deutschsprachige Exil in Brasilien (2013) in Kontakt, die in Kooperation mit Marlen Eckl erarbeitet wurde. Wir durften ihn in seiner Wohnung in São Paulo besuchen. Auch für unser kooperatives Netzwerkprojekt „Künste im Exil“ zeigte sich Hans Günter Flieg aufgeschlossen. Für die Sonderausstellung „Stimmen des Exils“, eine Kooperation mit Jochanan Shelliem, gab er 2013, ebenfalls in seiner Wohnung in São Paulo, ein Interview.

Einige seiner beeindruckenden Fotografien sind auch Teil des virtuellen Museums „Künste im Exil“, etwa der Fotostreifen „Letzte Fotografie in Chemnitz und erste Fotografie in São Paulo“. „Die Geschichte dieses Films ist die Geschichte des schwarzen Streifens zwischen den beiden Fotos“, sagte uns Hans Günter Flieg im Interview. Hinter dem schwarzen Streifen, der die beiden Bilder voneinander trennt, liegt die Geschichte der Ausreise aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Brasilien. Der schwarze Strich erzählt vom Abschied – dem letzten Blick aus dem Fenster der Familienwohnung in Chemnitz – und von der Ankunft im Exil, wo Hans Günter Flieg als erstes Motiv eine Blumenvase ins Bild setzt. Seine Erinnerungen an das, was zwischen den Bildern lag, waren unglaublich detailreich.

Mit Hans Günter Flieg ist einer der letzten Zeugen des Exils aus der nationalsozialistischen Diktatur gestorben. Ein beeindruckender, faszinierender Mensch, mit ungeheurem Wissen und viel künstlerischem Gespür, auch wenn er sich selbst als „Techniker“ bezeichnete. Wir sind dankbar für die Begegnungen mit Hans Günter Flieg und werden ihn nicht vergessen.

(Dr. Sylvia Asmus)

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Inhalt des Dossiers

  1. Dr. Vincent C. Frank Steiner (1930–2025) – In memoriam
  2. Hans Günter Flieg (1923–2024) – In memoriam
  3. Dr. Ruth K. Westheimer (1928–2024) – in memoriam
  4. Guy Stern (1922–2023) – in memoriam
  5. Trude Simonsohn (1921-2022) – in memoriam
  6. „Kinderemigration aus Frankfurt am Main. Geschichten der Rettung, des Verlusts und der Erinnerung"
  7. Fragebögen als Quelle zur Erforschung des deutschsprachigen Exils – Am Beispiel von Alfred Kantorowicz
  8. Professor Dr. John M. Spalek (1928-2021) in memoriam
  9. Lieselotte Maas (1937-2020) – In memoriam
  10. Ruth Klüger (1931-2020) – In memoriam
  11. „Was soll ich kochen?“ – Rezepte aus dem Deutschen Exilarchiv 1933-1945
  12. Hellmut Stern (1928-2020) – In memoriam
  13. Thomas Mann: Deutsche Hörer! – Hörstation Exil 1933-1945 vor der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt eingeweiht
  14. Ausstellungskatalog „Exil. Erfahrung und Zeugnis“ erscheint
  15. Themenschwerpunkt Exil: Das Geschichtsmagazin „Damals“ erscheint in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945
  16. Dora Schindel (1915–2018) – In memoriam
  17. Werner Berthold (1921–2017) – In memoriam
  18. Rolf Kralovitz (1925 - 2015) – In memoriam
  19. Buddy Elias – In memoriam
  20. Künste im Exil - virtuelle Ausstellung und Netzwerk
  21. Brigitte Kralovitz-Meckauer (1925–2014) – In memoriam
  22. Ludwig Werner Kahn - zum 100. Geburtstag
  23. Verleihung der Goethe-Medaille und der Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft für Exilforschung e.V. an Professor John M. Spalek
  24. „Nestor der deutschen Finanzwissenschaft“ - Fritz Neumark zum 110. Geburtstag
  25. Büchergeschenk für die Deutsche Nationalbibliothek
  26. „Als Gefangene bei Stalin und Hitler“ - Margarete Buber-Neumann zum 20. Todestag
  27. Begründer der Futurologie - Ossip K. Flechtheim zum 100. Geburtstag
  28. Zum Tod der Lyrikerin Emma Kann
  29. Nestor der Exilforschung 1933-1945 in den USA - zum 80. Geburtstag von Prof. Dr. John M. Spalek
  30. Vorlass des Politologen John G. Stoessinger im Deutschen Exilarchiv 1933-1945
  31. Lili Cassel Wronker: A London Diary, 1939–1940
  32. Chronistin ihres Jahrhunderts - Anja Lundholm zum 90. Geburtstag
  33. Reichsausbürgerungskartei
  34. Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 erwirbt den umfangreichen Nachlass des Hethitologen Hans Gustav Güterbock (1908–2000)
  35. Geneviève Pitot: Der Mauritius-Schekel

Letzte Änderung: 07.03.2025
Kurz-URL: https://www.dnb.de/deanachrichten

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